Das Oberstufen „Versprechen“

Veröffentlicht: 12. November 2009 in Uncategorized
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und hier der erste richtige Beitrag: Ein „Essay“ über meine 1.5 Jahre Oberstufe die ich … ähm … genießen musste.

Als ich damals nach der 10. Klasse meinen Klassenlehrer, der mich damals schon 6 Jahre durch mein Leben begleitet hatte, verabschiedete wusste ich noch nicht wirklich was auf mich zu kommen würden. Ich ging von der 11/12/13. Klasse als einen Block aus Unterricht aus der völlig anders sein würde als alles was ich je erlebt habe. Ich dachte mich erwartet Unterricht zu dem ich hingehen KANN aber nicht MUSS. Ich bereitete mich auf meine Freistunden vor, die wohl das für alle am meisten erwartete „Feature“ der Oberstufe darstellen und versuchte Ordnung in das Chaos das mein Leben bis dahin darstellte zu erzwingen. Nur so viel vorweg: Nichts ist so verlaufen wie erhofft^^

Es fing schon an, bevor es überhaupt angefangen hatte. Ende der 10 erzählten mir alle meine etwas älteren Freunde das die 11 das „Chill-“ Jahr schlechthin sei. Alles sei nur Wiederholung und einfach und man hätte für alles viel Zeit. Auf der anderen Seite waren die Lehrer die einem offensichtlich versuchten soviel Angst zu machen wie sie können damit man möglichst nicht zu viel chillt. Es wurden einem Horrorgeschichten erzählt von selbstständigem Lernen, Unterricht der einfach weiter geht wenn keiner Fragen stellt, Vorbereitung aufs Abi und ich weiß nicht was.

Mit entsprechend gemischten Gefühlen ging ich danach in die ersten Unterrichtsstunden. Schnell wurde mir dann auch klar warum die Wahrnehmung der 11 so unterschiedlich ausfiel: Es gab sowohl chillige Lehrer als auch welche die es einfach übertrieben. Zu den Übertreibern gehörte meine damalige Geschichtslehrerin, welche nach einem halben Jahr Unterricht bei uns krankheitsbedingt von der Bildfläche verschwand. Nennen wir sie einfach mal Frau G (Name von mir natürlich geändert)

Frau G hatte ich früher schon mal als Religionslehrerin und hatte sie als eine der freundlichsten Personen der Welt in Erinnerung. Sie war eine hochgebildete aufmerksame Person deren Notengebung immer mehr als Schüler freundlich und fair war. Ihr Unterricht war einfach spannend, kontrovers, fesselnd… also einfach das was man sich von einer Lehrerin nur wünschen könnte. Das war Frau G und dafür war sie Schulweit bekannt. Doch in der 11 hatte ich einen anderen Menschen vor mir. Hier war entspannen im Unterricht nicht möglich. Sie war leicht zu reizen, in der Notengebung so lächerlich hart das es an ein wunder Grenzte wenn man eine 2 erreichte. Aber sie hatte einen Unterrichtsstil den ich später nur selten wiederfand: Man lernte bei ihr unendlich viel. Die Sorge einmal nicht die Hausaufgaben zu haben führte bei mir dazu das ich Geschi (meinem Langweilfach schlechthin) einer der besten Schüler im Kurs wurde. Uns wurden Quellenanlyseverfahren beigebracht die in ihrer Präzision im Unterrichtseinsatz ihres gleichen suchen. Der Unterricht war anstrend, fordernd und teilweise Unfair aber im nachhinein jede Sekunde wert. Der Grund für den riesen Unterschied zwischen der Alten und der Neuen Frau G erklärte sich dann später in einer Unterrichtsstunde. Sie sagte in etwa folgendes:

Meine Aufgabe hier ist es nicht mehr ihnen hier etwas beizubringen. Meine Aufgabe ist es sie zu begleiten das selbst zu tun. Ich sietze sie deswegen auch auf jeden Fall. Dieser Unterricht soll sie auf späteres Universitäres Arbeiten vorbereiten, also nehmen sie diesen Kurs so ernst es geht auch wenn sie ihn nur mündlich haben.

Ich weiss gar nicht ob ich in diesem Moment verstanden habe was das bedeutet aber ich weiss das mich dieser eine Satz dazu gebracht hat diesen Blog anzufangen. Frau G hatte verstanden das ihr Unterricht anders sein musste als der für die Unter- und Mittelstufe denn er hat den Zweck uns zu schulen uns selbst zu schulen und nicht mehr uns nutzloses Wissen einzutrichtern. Nachdem ich das begriffen hatte begann ich die Geschichtsstunden zu genießen. Es war zwar sicher  anstrengend aber ich hatte das Gefühl als intelligenterer Mensch aus der Stunde gegangen zu sein. Und es gab wirklich keine Wiederholungen, wie versprochen.

Erstaunlich das ich einen Unterricht den ich erst gehasst habe später so vermissen würde.

Frau G war also das eine Extrem (mal abgesehen vom „Fürst der Finsternis“ aber das erzähle ich ein anderes mal), wie sieht denn das andere Ende der Skala aus? Das krasseste Beispiel dafür muss wohl mein ehemaliger Erdkunde Lehrer sein. Herr L (auch ein anderer Name) war einer der Lehrer, die es wahrscheinlich im echten Leben ausserhalb der Schule zu einem sehr sehr unterbezahlten und deprimierenden Job geschafft hätten. Er war Erdkunde und Sportlehrer. Das was man wird wenn man wirklich nichts anderes kann. (Ich sollte hier mal für alle Fälle einwerfen das das geschriebene nur meine Meinung wiederspiegelt und natürlich nicht als Beleidigung gedacht ist.) Herr Ls Unterricht war vom Konzept her simpel: Er sitzt vorne und liest aus dem Erdkundebuch vor und wir lesen irgentwelche Magazine oder zocken IpodTouch oder ähnliches. Okay das mag jetzt etwas untertrieben sein. Tatsächlich las er auch regelmäßig Aufgaben und Lösungen vor. In den ersten paar Stunden fand ich das Klasse: endlich Zeit entspannt Hausaufgaben zu machen. Außerdem war es ein guter ausgleich zu den anstrengenden Stunden von Frau G.

Doch nach gewisser Zeit wurde es langweilig. Keine Hausaufgaben mehr, Magazine kamen erst nächsten Monat wieder raus und so weiter. Was macht man also dann? Intuitiv würde ich sagen man könnte dem Lehrer ja zuhören und was lernen. Klingt ja auch erstmal logisch. Doch die folgende davon war: Tiefschlaf! Tatsächlich gelang es mir 2 mal in der ersten Reihe auf der Tischplatte meinen Schlaf nachzuhohlen. Jetzt würde natürlich jeder erwarten das das zu schlechten Noten führt. Das gegenteil war der Fall: Als ich vor Langweile mir die haare ausreißend Erdkunde abwählte bekam ich für meine gelegentliche Mitarbeit eine 1+ . Schön. Es war der grauenhafteste Unterricht den ich mir vorstellen konnte. Das hatte nichts mit dem großen Geschwafel von selbstständigem Lernen, Unterricht der einfach weiter geht wenn keiner Fragen stellt, Vorbereitung aufs Abi oder sonst was zu tun. Es war wieder alles auf dem Niveau der 7. Klasse.

Und das ist was ich so schlimm finde: Schule hat in der Realität in den seltensten Fällen etwas mit dem zu tun was sie sich selbst vornimmt. Wenn man nicht zu den absoluten Idioten gehört braucht man einfach keine ständige Wiederholung. Man braucht auch keine Idioten die keinen Bock auf Unterricht haben und trotzdem mitgeschleppt werden. Wir brauchen Leute, die wissen was sie tun!

Ich bin darüber enttäuscht, dass es die Ausnahme bleibt das Unterricht so abläuft wie er uns groß und breit angekündigt wurde. Und ich weiss das ich heute noch Geschitests über die Themen bei Frau G, 1 schreiben könnte und keinerlei Erinnerungen an meinen Erdkundeinhalt habe.

Vielleicht komme ich in anderem Beitrag mal auf die Gründe zu sprechen und was man dagegen tun kann. Bis dahin sei gesagt: Das Oberstufen „versprechen“ wurde zumindest bei mir nicht wirklich eingehalten!

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Kommentare
  1. Sebastian sagt:

    Richtig. Du hast es auf den Punkt gebracht. Genauso läuft es ab. Ich bin selbst dieses Jahr in die Oberstufe gekommen. Vor allem mit dem Gegensatz „11er – Chilljahr“ und „Horrorgeschichten der Lehrer“ kann ich nur zustimmen.
    Für mich ist es bisher eher ein Jahr zum „chillen“ gewesen, bis auf einige Fächer, in denen, wie geschildert, viel gefordert wird.
    Danke für diesen klasse Erfahrungsbericht. Er bestätigt nur, was ich bisher erlebt habe.

  2. […] Ich meckere hier ja häufig über meine Schule…sehr häufig sogar! Da das jedoch eine sehr einseitige Betrachtung des ganzen ist, soll das hier mal ein Eintrag werden der die andere Seite zeigt. […]

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