Archiv für Juni, 2010

Ruhe vor dem Sturm

Veröffentlicht: 28. Juni 2010 in Uncategorized

Ab morgen (oder präziser heute) Nachmittag beginnt für die meisten aus meiner Stufe  ein einwöchiger Horrortrip:

Einmal im Jahr, nachdem die Noten sowieso unveränderlich geworden sind, verschwenden wir unsere Lebzeit mit einer sinnlosen Projektwoche. Die Auswahl der Projekte wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Diesmal war von Wandern für 85€  über Räume streichen über Türkisch für Anfänger (ein Kurs den die liebe Frl.Krise wahrscheinlich nicht mehr braucht) zu  Schokolade selber herstellen, alles dabei. Das schöne an den meisten Kursen ist, das verschiedenste Altersgruppen gemischt werden, was darin enden kann, dass man eine Woche mit 5.Klässlern an irgendetwas grauenhaften arbeiten muss.

Wenn das nicht genug wäre um jeden einzelnen Schüler völlig zu vergraulen gib es noch ein besonderes Extra: Man kriegt nicht immer das, was man gewählt hat. Letztes Jahr gab es für diesen Fall das Projekt „Europäische Hymnen“. Europäische Hymnen bestand aus 30 Schülern und 2 die das Projekt wirklich gewählt hatten. Die Ergebnisse waren wie zu erwarten grauenhaft.

Aber dieses Jahr wurde ich gerettet: Eine kleine Gruppe von Leuten hat die Möglichkeit unsere Abschlussfahrt nach Berlin zu planen und somit tatsächlich etwas sinnvolles zu tun und ich bin in dieser Gruppe. Damit verkürzt sich die kommende Schulwoche für mich auf Berlinplanung von 9-12 Uhr und ich habe die Möglichkeit mich mal umzuhören wie es so den anderen ergeht. Ich bin fast sicher es kommt das eine oder andere bloggenswerte heraus.

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Betrug, Bestechung und geheime Absprachen

Veröffentlicht: 25. Juni 2010 in Uncategorized

Unsere Lokalzeitung, der General-Anzeiger, hat einen Artikel veröffentlicht der mir zu denken gibt. Eine Lehrerin wird gefeuert, weil eine „Mutter mit maßgeblichen Einfluss auf das Schulleben“ etwas gegen sie hat und sich kleinere Beschwerden häufen. Sie soll einen Film ab 16  unter 16-Jährige gezeigt haben zum Beispiel*.  An sich schon schlimm aber dann wird es kritisch: Die Lehrerin bekommt vor Gericht das Angebot der Schule auf 40.000€ Abfindung sofortige Freistellung und die Gründe werden unter den Tisch gekehrt.

Das ganze bedeutet auf den Punkt gebracht folgendes: Reiche Eltern haben Einfluss auf Privatschulen, also nichts neues. Ich kenne das Phänomen auch gerüchteweise aus meiner öffentlichen Schule: Ein Schüler, reiche Eltern und schlechte Noten, steht auf der Kippe zur Nichtversetzung. Dann soll eine Spende im 5-Stelligen Bereich geflossen sein und wie durch ein Wunder verschwinden die Defizite Stück für Stück vom Zeugnis und unsere Schule kann sich neue ActiveBoards leisten. Ich habe mal aus Interesse einen Lehrer auf dieses komische Phänomen angesprochen aber wurde nur belächelt. Naja Hauptsache ActiveBoards.

Nun aber zurück zum Bericht: Was will die Schule vertuschen? Das Angebot ist komisch, es kommt zu plötzlich und direkt zu hoch. Und zum Überfluss gibt es für jeden Monat den die Leherin früher geht 4 500 € zusätzlich. Hätte die Schule auch nur einen Ansatzweise sinnvollen Grund sie zu feuern wäre dieser veröffentlicht worden aber das passierte nicht. Meine Theorie: Die Lehrerin hat dem Kind der „einflussreichen Mutter“, begründet oder nicht, schlechte Noten gegeben. Das hat die Mutter, welche wahrscheinlich genug spendet das die 40 000 € Peanuts sind, aufgeregt und sie hat alle Fäden gezogen die sie ziehen konnte.

Ich bezweifle, dass das je ganz aufgeklärt und beneide das Glück der Privatschulen Lehrer los werden zu können. Das mag in diesem Fall vielleicht Unrecht gewesen sein aber wenn ein Verbeamteter Lehrer an einer öffentlichen Schule Fehler bis zum geht nicht mehr macht passiert mit Ihm oder Ihr folgendes: NICHTS. Aber dazu schreibe ich wann anders mehr.

*Was schon lächerlich ist da es meines Wissens nach, mit Einverständnis der Eltern, nicht verboten ist und solange sie keinen Softporno in einer 5. Klasse vorgeführt sollte gesunder Menschenverstand diesen Vorwurf als so absurd herausstellen wie er ist.

Die Evolution des Lehrers

Veröffentlicht: 17. Juni 2010 in Uncategorized

Ah diesen Post wollte ich schon lange schreiben. Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass man Lehrer und ihre Entwicklung in ganz strikte Muster einteilen kann. Grundsätzlich beginnt das Ganze mit 2 Typen:

1. Der Typ: Wenns nichts wird brech‘ ich ab und werd‘ Lehrer!
Dieser Typ Mensch wollte in seinem Leben etwas machen: Informatik, Mathematik oder Deutsch studieren. Leider waren dann die Kompetenzen nicht ausreichend also entschied sich man sich: Ach wenn’s nicht reicht kann ich immer noch Lehrer werden. dafür braucht es ja nicht viel. Jetzt kann sich jeder denken was da rauskommt: Inkompetente und für den Beruf völlig ungeeignete Personen, die auch noch verbeamtet sind, d.h. nicht zu feuern. Später mehr dazu!

2. Der Typ: Ich will Lehrer werden!
Dieser Typ Mensch wird Lehrer, weil er Lehrer werden möchte. Hier stimmen Motivation und Ziel der Ausbildung soweit überein. Ob daraus ein guter Lehrer wird ist immer fraglich denn der Schulalltag hat seine eigenen Schwierigkeiten.

Nun nach dem Studium kommt Entwicklungsstufe 1: Die Referendarphase
Hier trifft der Lehrer das erste Mal auf den harten Schulalltag und schon jetzt werden die meisten ungeeigneten Kandidaten herausgefiltert, meist durch lernunwillige Schüler und Alltagsstress. Hier zeigen sich schon signifikante Unterschiede zwischen Typ 1 und Typ 2:

„Wenns-nichts-wird-brech‘-ich-ab-und-werd‘-Lehrer!“-Referendare erkennt man daran, dass sie von Anfang an wenig Interesse an ihrem Schülern und dem Fach das sie unterrichten zeigen, während „Ich-will-Lehrer-werden“-Referendare jede Stunde akribisch ausarbeiten und sich zwanghaft an die an erlernte Methodik halten. Jedoch gehen die Unterschiede hier meistens noch in der Unerfahrenheit des angehenden Lehrers etwas unter, weswegen eine Präzise Kategorisierung in dieser Phase sehr komplex sein kann und durchaus Fehlerbehaftet

Darauf folgt Entwicklungsstufe 2: Das Examen

„Wenns-nichts-wird-brech‘-ich-ab-und-werd‘-Lehrer!“ Referendare machen hier den gewohnten stupiden Unterricht den die Prüfer sehen wollen und bestehen mit durchschnittlichen Noten. Jetzt sind sie offiziell Lehrer und werden quasi blind auf die Schüler gelassen. Ein „Ich-will-Lehrer-werden“-Referendar hingegen hat für solche Prüfungen immer irgendetwas besonderes vorbereitet, das meistens zwar überhaupt nicht seinem eigentlichen Unterrichtsstil entspricht (Leute die eigentlich nur Frontalunterricht machen fangen an Gruppenarbeiten zu verteilen und Lehrer die eher frei ihre Stunden gestalten sind auf einmal mit einem Auge an der Uhr festgeklebt um ja im Zeitplan zu bleiben usw.) aber solche Stunde sind meistens so durch konzipiert, dass sie im schlimmsten Fall nur zu kurzfristiger Frustration und leichten Kopfschmerzen bei den Anwesenden Schülern führen, jedoch auch in den Bereich „interessant“ ansteigen könne. Wenigstens muss man sich bei diesen Leuten nicht allzu große Sorgen machen, dass sie ihre Schüler durch den späteren Unterricht allzu sehr verunglimpfen.

Danach folgen die ersten Jahre als Lehrer die ausschlaggebend für das gesamte Lehrerleben ist.
In Entwicklungsstufe 3: Der Alltag, zeigt sich ob der Lehrer für tägliche Konfrontation mit Schülern geeignet ist oder ob falsche Erwartungen und Fehlende Motivation bei den Schülern die Psyche zu sehr ankratzen.

Wenn die Lehrer mit dem Stress fertig werden kann man grob folgendes sagen:

„Wenns-nichts-wird-brech‘-ich-ab-und-werd‘-Lehrer!“-Lehrer werden zu den langweiligen 0815-Typen die sich durch ihren Alltag mit mehr oder weniger Begeisterung durchschlagen und an die sich kein Schüler wirklich erinnern wird. Gelegentlich verwandeln sie sich in den „Ich-will-Lehrer-werden“-Typen, da sie das Unterrichten für sich entdecken aber das sind Ausnahmen.
Der „Ich-will-Lehrer-werden“-Lehrer hingegen genießt es den Job zu machen den er machen will und das merken seine Schüler auch. Ob Ausflüge, guter Unterricht oder ständiges Engagement man weiß nach kurzer Zeit, dass da jemand vor einem steht der Lehrer sein will.

Leider gibt es auch die Schattenseiten: Der Alltag wird dem Lehrer zu viel und er verändert sich rapide zu einem Schatten seiner selbst:

„Ich-will-Lehrer-werden“-Lehrer sind enttäuscht, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden, allein in unserer Schule gab es genug solcher Fälle die man hinterher in Kuren, Psychiatrien oder heulend bei Elternsprechtagen wieder fand.
„Wenns-nichts-wird-brech‘-ich-ab-und-werd‘-Lehrer!“-Lehrer verlieren einfach jedwedes Interesse an ihren Schüler, was in Extremfällen dazu führt das sie einfach nur noch im Unterricht sitzen und aus dem Lehrbuch vorlesen.

So ziemlich jeder der jemals ein iPhone in der Hand hatte will auch eins haben. Es wirklich brauchen ist dann noch einmal eine andere Geschichte. Apropo Geschichte; Einen echten Einsatzzweck konnte ich im Geschichtsunterricht nun Live beobachten: Einer der etwas schwächeren Schüler mit iPhone zeigte bei der Frage: „Wann wurde der Versailler Vetrag?“ geschlossen wie wild auf. Alle im Raum wunderten sich über diesen unwirklichen Sinneswandel. Hat er sich ernsthaft vorbereitet? Keiner, inklusive der Leherin,  konnte es wirklich fassen, dass er die richtige Antwort kannte (28. Juni 1919 für alle Unwissenden) . Ich saß neben dem Schüler und beobachtete als einer der wenigen wie es zu dieser erstaunlichen Antwort kam: Wer immer und überall ins Internet kann auch die Wikipedia fragen. Schön wie Technik einem gute Noten bereitet 😀

Interessant wurde die Angelegenheit erst, als wir dann die Inhalte des Vertrags mithilfe des Buchs sammeln sollten und eine Armada von Iphones und IpodTouches aus den Taschen gezückt wurde. Unserer Lehrerin ist eher ein Mensch der dem gedruckten Wort vertraut und war dementsprechend sehr kritisch gegenüber der Technik der ihr entgegengesetzt wurde.

„kann man auf den kleinen Teilen überhaupt was lesen? Das steht doch auch alles schön im Buch. Eigentlich ist das ja alles in der Schule verboten“

Es ist vielleicht besser gewesen, dass sie das iPad, das auf neben mir zum Vorschein kam nicht gesehen hat, das wäre dann eventuell zu viel neues für einen Tag gewesen 😉

Ich wusste es die ganze Zeit…

Veröffentlicht: 15. Juni 2010 in Uncategorized

…und unser Online Vertretungsplan hat es bestätigt: Wir sind gefangene, die nur gelegentlich freigesetzt werden! O_o

ach und wenn ich schon dabei bin. Nervende unnötig laute Tröten, „Vuvuzelas“, und das tolle Public Viewing sind in aller Munde, bei den Vuvuzelas im wahrsten Sinne des Wortes. Aber Typisch für die Kultur des nicht-Nachfragen-wenn’s Englisch ist weiß niemand was „Public Viewing“ eigentlich bedeutet. Fragen wir doch mal den heiligen Gral der Englischhausaufgaben: leo.org

Na dann noch viel Spaß beim Leichenschauen während der Freisetzung…

Die Hausordnung im Realitätscheck

Veröffentlicht: 12. Juni 2010 in Uncategorized

Original: Schüler und Lehrer achten gemeinsam auf Einhaltung der Unterrichtszeiten.
Realität: Schüler achten sekundengenau auf die Einhaltung der Unterrichtszeiten.

Original: Ist der Fachlehrer fünf Minuten nach Beginn der Unterrichtsstunde noch nicht erschienen, so fragt der Klassen- bzw. Kurssprecher im Sekretariat nach. Die Mitschüler verhalten sich im Unterrichtsraum so, dass der übrige Unterricht nicht gestört wird. Ein Verlassen des Klassenraumes nach Stundenbeginn ist aus aufsichtsrechtlichen Gründen nicht zulässig.
Realität: Ist der Fachlehrer 15 Minuten nach Beginn der Stunde nicht da, wird gemeinschaftlich entschieden nach Hause zu gehen. Die Schüler versuchen bis dahin nicht aufzufallen damit kein anderer Lehrer aufmerksam wird

Original: Vor dem Imbisskiosk bilden kaufwillige Schüler eine Schlange; Schubsen und Drängeln sollten als Ausdruck von Rücksichtslosigkeit und wegen der damit verbundenen Gefährdung von Mitschülern unterbleiben und können dazu führen, dass der Verursacher durch die aufsichtführenden Lehrer ausgeschlossen wird.
Realität: Vor dem „Imbisskiosk“ bilden kaufwillige Schüler sowie deren Freunde die gerade mitkommen eine Schlange die sich nach dem Alter der Schüler sortiert. Schubsen und Drängeln sind dabei die Methoden der Wahl diese Ordnung durchzusetzen.

Original: Alkohol und andere Drogen sind an der Schule verboten. Folglich ist das Schulgelände eine rauchfreie Zone.
Realität: Wirklich? WIRKLICH? Nein nicht Wirklich…

Original: Alle Schüler sind zur regelmäßigen und pünktlichen Teilnahme und Mitarbeit am Unterricht und an den sonstigen für verbindlich erklärten Schulveranstaltungen verpflichtet.
Realität: Alle Schüler sind zur regelmäßigen und pünktlichen Teilnahme und Mitarbeit am Unterricht und an den sonstigen für verbindlich erklärten Schulveranstaltungen verpflichtet. Außer niemand kontrolliert die Anwesenheit wie immer.

5 Sekunden!

Veröffentlicht: 12. Juni 2010 in Uncategorized

Bahnfahrer zählen zu den nettesten Menschen auf der Welt! Wie sie einsam in ihrer Kabine sitzen und immer die selben Strecken fahren, dabei kaum mehr tun als die Geschwindigkeit zu regulieren und das jeden Tag aufs neue, DAS ist ein Dienst für die Gesellschaft! Und diese Menschen sind meistens so besorgt darum ihre Fahrgäste Pünktlich ans Ziel zu bringen, dass 5 Sekunden warten bis ich an der Tür bin um einzusteigen ein unakzeptables Risiko für den Zeitplan sind! Verständlich, solange man nicht in der Bahn ist, ist man ja technisch gesehen noch kein Fahrgast! Aber, man will als Bahnfahrer ja nicht unmenschlich wirken, deswegen wartet man zumindest solange bis ich zur verschlossenen Tür gesprintet bin damit ich zumindest ein Teil des Bahnfahrfeelings bekomme! Danke, liebe SWB-Bahnfahrer!

Das war also mein Morgen. Ich hatte vor langer Zeit mal durch Zufall die Möglichkeit einem lautdenkenden Fahrer in so einer Situation zuzuhören, dass verlief damals etwa so:

Man Man Man, Wat regt der sisch denn da so auf, kann ja nich ewig auf einen warten der zu spät is. (Bus fährt los, verspäteter Fahrgast regt sich auf)
Und jetzt auch noch aufregen? Unglaublich diese Leute, Unglaublich!

Immer wieder beeindruckend was in den Köpfen solcher Leute vorgeht…

Liebe Bahnfahrer:

1. Wir Kunden sind nicht notorisch zu spät um euch zu ärgern, sondern zu 90%, weil eure Kollegen Verspätung hatten und wir einen Anschluss kriegen müssen.
2. Das bisschen Macht das ihr habt zu entscheiden, wann die Türen geschlossen werden solltet ihr nicht dazu verwenden, gerade die Leute zu verärgern die für euer Gehalt sorgen! Tut ihr dies trotzdem sagt das genau eine Sache über euch aus: Ihr seit der Verantwortung offensichtlich nicht gewachsen!

Vielen Dank dafür im Namen aller Schüler die schon einmal vor einem Lehrer standen und mit ungläubigen Blicken gepeinigt wurden als sie sagten „Ich hab meine Bahn verpasst, Ich konnte nichts dafür!“