Archiv für September, 2010

Trümmergeschichten Reloaded

Veröffentlicht: 29. September 2010 in Uncategorized

Über den baulichen Zustand meiner Schule habe ich ja schon einmal geschrieben, hier ein kleines Update:

Der Spaß geht in die nächste Runde (General-Anzeiger berichtet).

„Der Zustand ist mehr oder weniger mangelhaft bis katastrophal“

„Seit Jahren werde die Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume im EMA von der Stadt Bonn mit Hinweis auf die schlechte Haushaltslage verschoben.“

Nur eine Frage bleibt? Wieso haben wir einen Fernseher für unseren Vertretungsplan neu gekauft aber geben das Geld nicht für die Renovierung aus? Ja richtig, weil ein Vertretungsplan auf ’nem Fernseher die Eltern der neuen Kinder mehr beeindruckt als ein Slogan wie „Wir haben zwar keinen coolen Vertretungsplan aber dafür müssen sie keine Angst haben, dass die Gasleitungen in die Luft fliegen“…Aber gut alles ist mehr Schein als Sein, auch in der Schule…

Haltet ihr mein Urteil hier für zu hart? Nein es wird ja sogar offen zugegeben (und ein bisschen Sarkasmus ist ein schlechtes Versteck):

„Wir durften jetzt einige Gaskartuschen anschaffen, um am Tag der offenen Tür wenigstens für unsere neuen Schüler ein paar Experimente zeigen zu können“, sagt Bettscheider [unser Direktor] mit sarkastischem Unterton.

Aber ich will Herrn Bettscheider die Schuld für die Misere nicht in die Schuhe schieben, sondern seinem Vorgänger! Als ich vor nun schon fast 9 Jahren auf die Schule kam wurde gerade ein neuer Super-Ultra-Hightech-fast-wie-ein-CSI-Labor-Raum für Tausende € gebaut (genauere Zahlen liefere ich nach ich hab es jetzt nicht im Kopf aber es ging in den 5-6 Stelligen Bereich). Damals war der Zustand der bereits vorhanden Naturwissenschaffsträume nur unwesentlich besser als heute. Der Raum wird praktisch nicht benutzt und wenn dann auch fast nur für den normalen Unterricht. Es gibt im nachhinein keinen vernünftigen Grund dieses Prestigeobjekt von Unterrichtsraum zu bauen statt die vorhandenen Räumlichkeiten zu renovieren.

Aber gut solange bei uns auf dem Schullandheim noch Tische stehen auf deren Unterseite ein Reichsadler mit Hakenkreuz während der Produktion eingebrannt wurde (kein Witz, der Lehrertisch ist zwar der einzige der aus der Zeit übrig geblieben ist aber es ist trotzdem eine kleine Schullegende) erwarte ich in dem Jahr das ich dort noch habe keine große Veränderung mehr.

P.S. Inzwischen haben wir geschätzte 8 Active Boards an der Schule…

Howto make a Hausaufgabe

Veröffentlicht: 27. September 2010 in Uncategorized

Niemand macht gerne Hausaufgaben. Deswegen ist hier meine kleine Sammlung an Lösungsvorschlägen (Erweiterungen erwünscht).

Aufgabe: Lies Buch XY und schreibe eine Charakterisierung zu Person AB.
Lösung: Kauf dir einen Lektüre Schlüssel, Überfliege die Inhaltsangabe und schreibe die Charakterisierung daraus ab. Achte darauf ein paar Dinge zu verändern deine Lehrerin/dein Lehrer hat wahrscheinlich dasselbe gemacht.

Aufgabe: Berechne diese Mathe Aufgaben.
Lösung: Lern mit Wolfram|Alpha umgehen.

Aufgabe: Interpretiere diese Kurzgeschichte/Quelle/…
Lösung: schreibe einen Einleitungssatz. Fülle den Mittelteil mit irgendeinem Blindtext und hoffe das du nicht dran kommst. Das hier könnte hilfreich sein.

Aufgabe: Mache Projekt XYZ bis nächster Woche fertig
Lösung: Sei nächste Woche „krank“ und mache das Projekt fertig. Gib es mindestens 2 Tage später als geplant ab.

Aufgabe: Lies den Text hier zuhause durch
Lösung: Lies den Text in der 5 Minutenpause oder gar nicht.

Aufgabe: Bringe diesen Zettel morgen unterschrieben zurück
Lösung: Verliere den Zettel, finde ihn wieder, vergesse das du ihn Unterschreiben lassen muss, erinnere dich wieder daran, lass ihn unterschreiben, lass ihn zuhause liegen, bring ihn eine Woche zu spät zurück…

Aufgabe: Über für eine Klausur
Lösung:
Benutze folgende Vorlage für deinen Spickzettel

Ein Plädoyer fürs Abschreiben…

Veröffentlicht: 25. September 2010 in Uncategorized

Provokanter Titel… Nein ich möchte jetzt nicht für die Sinnhaftigkeit von Abschreiben argumentieren (vielleicht später mal), ich möchte dafür plädieren, dass deutsche Schulen einige der wenigen guten Ideen vom Amerikanischen Schulsystem abschreiben. Zum Beispiel die Klausurwoche!

Die Amerikaner haben alle ihre großen (zentralen) Prüfungen. Doch anstatt die Klausuren wie bei uns irgendwann in die Woche zu pflastern damit man möglichst viel Unterricht zu verpasst, hatten die Leute auf der anderen Seite der Erde folgende geniale Idee:

„Hey, lasst mal alle Klausuren in eine Woche packen dann verpasst keiner was und es kommt nicht so ein Müll dazwischen wie irgendwelche Projekte die man neben der Klausur bearbeiten muss etc.“

„Jo, Das ist eine geniale Idee komisch das da die super effizienten Deutschen nicht drauf gekommen sind“

„Ach die haben keine Ahnung von Schulpolitik“

Ich freu mich auf nächste Woche: Dienstag schreibe ich Klausur in meinem Informatik-LK. Dafür geht die letzte Doppelstunde Mathe vor der Matheklausur drauf. Wunderbare Kombination. Achso und nebenbei muss ich noch ein Buch lesen, eine Biographie über einen Bbuchcharakter schreiben, Hausaufgaben machen und ich weiß nicht wie viele Referate zu Themen die mich nicht interessieren machen.

Ich finde es ja faszinierend, dass das Prinzip des ganzen ja durchaus schon im Schulsystem verankert ist. Abiturklausuren werden zum Beispiel nach diesem System geschrieben und  läuft gut. Warum kann das nicht auf alles andere angewandt werden? Das ist doch hundertmal besser als der alljährliche Stress mit den Klausuren. Dabei fällt mir auf: Das muss nicht mal irgendwie gesetzlich geregelt werden, denn die Schulen können die Klasuren legen wie sie lustig sind. Es wäre ein trivialer Schritt einfach ALLE Klausuren in eine Woche zu legen und allen Unterricht der übrig bleibt ausfallen zu lassen. Einmal im Jahr. Mehr nicht. Tolle Sache! Nebenbei: Wir haben so viele Ferien das man die Klausurwoche ja auch genau VOR die Ferien legen kann dann haben die Lehrer endlich Zeit die Klausuren zu korrigieren.

Achja ich will wieder intelligente Schulpolitik aber da verliere ich wie immer an einsamer Front.

Fazit: Ich bin sauer, Klausuren und Projekte gleichzeitig sind Scheiße und daran ändern tut auch niemand was auch wenns trivial wäre.

Es ist ja nicht so das ich ein großer Fernsehfan bin. Bei weitem nicht. Nichts desto trotz bin ich gelegentlich sehr froh, dass es zwischen Barbara Salesch, Talk Talk Talk, Rosamunde Pilcher und den unendlichen Weiten der geistigen Abstumpfung (besser bekannt als Werbung) gelegentliche Lichtschimmer humorvoller Bildung am Horizont des Fernsehens aufschimmern. Gemeint ist SOUTHPARK!

Ja Southpark verbindet grenzenlosen Zynismus, eine Spur von Ekel und spannend vermittelte Bildung. Ob Medienkritik, alltäglicher politischer Wahnsinn oder ein Kommentar zur sozialen Entwicklung in der Welt: Es gibt eine Southparkfolge darüber. Das ganze erzeugte bei mir ein persönliches, rational unbegründbares Ziel: Ich muss es schaffen, dass jemand Southpark für „Unterrichtsmaterial“ hält. Ohne böse Hintergedanken, ohne jemand zu nerven einfach nur, weil es lustig wäre wenn Kenny stirbt, Cartman etwas völlig unvertretbares veranstaltet und das ganze vor einer Klasse als Lehrmaterial gezeigt werden würde…

…und ich habe es geschafft!

Während der wirklich ernsthaft spannenden Diskussion im Englischunterricht über „Genetic Engeneering“ und davon wie gut/böse es doch wäre Stammzellenforschung zu betreiben keimte in mir eine Erinnerung:

…Da war doch was…Da gab es doch etwas…

-FERNSEHEN-

…Ich erinnere mich langsam…

-SOUTHPARK-

…Oh mein Gott kann das sein? Kann es sein das ich meine Mission erfüllen kann?…

Und ich konnte sie erfüllen. Es gibt tatsächlich eine Southparkfolge die sich mit Genforschung und Stammzellen Forschung auf Southpark-typische Weise Beschäftigt:

Staffel 5 Episode 13: Kennys Tod

Und meine Englischlehrerin war aufgeschlossen genug das ganze im Unterricht zu zeigen. Mission Accomplished!

Erschreckende Erkenntnisse

Veröffentlicht: 13. September 2010 in Uncategorized

Die letzten Tage haben mich zu einigen sehr unangenehmen, fast erschreckende Erkenntnissen geführt.

Ich dachte jetzt wo ich nur noch ein Jahr an meiner Schule bin sollte an erwarten das unsere Stufe erwachsener geworden ist. Doch was braucht man um eine 13. Jahrgangsstufe voll mit fast Volljährigen und Volljährigen in den Zustand einer Kindergartengruppe zu bringen? Nicht viel mehr als einen etwas tuntigen Photographen und ein Stufenfoto. Ein gewisses drängeln um die besseren Plätze auf dem Foto kann man ja erwarten aber nicht das so gut wie niemand bereit ist auch nur eine Sekunde dem Photographen zuzuhören um die ganze Aktion hinter sich zu bringen. Und die Kommentare die man sich anhören durfte als der Typ sein für ihn typisches „jetzt sagt mal alle Säksie“ brachte erwartet man nun wirklich höchstens von 7. Klässlern. Naja was solls, gibt Schlimmeres!

Schlimmeres wie z.B. das unser Lehrplan ganz heimlich stück für stück zum schlechteren Verändert wird. Ein Beispiel:

Heute habe ich erfahren, dass man früher auch im Englisch Grundkurs das Buch „1984“ von George Orwell las. Ich halte dieses Buch in einer Gesellschaft deren technischen Möglichkeiten einen echten, orwellschen Überwachungsstaat ermöglichen für politisch und historisch unendlich wichtige Literatur

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Aber wenn das alle Schüler gelesen hätten würde ja eine Generation aufwachsen die zu großen Widerstand gegen Dinge wie Vorratsdatenspeicherung und co. liefern würde, deswegen wird heute im Englisch GK lieber „Falling Man“ gelesen. Falling Man ist eine peinliche und abstoßend triviale literarische Geldmache aus den Ereignissen des 11.9. Wie praktische diese Änderung doch ist!

Oh und zuletzt hatte ich heute die Erkenntnis das ich niemals Lehrer werden möchte aus folgendem Grund: Arbeiten korrigieren ist ja eine scheiß arbeit! Wir haben in Info einen Test geschrieben den wir gegenseitig korrigieren sollten (er wurde im Nachhinein vom Lehrer nochmal überblickt und offiziell benotet). Ich hatte nach einem einzigen Test den ich korrigieren sollte schon keine Lust mehr. Die Handschriften sind hieroglyphisch, die Leute können das richtige meinen aber sich einfach nicht richtig ausdrücken und man hat immer Mitleid wenn es jemand nicht richtig hinbekommen hat. Ich habe wirklich Respekt vor allen Lehrern die das 30 mal am Stück machen müssen!

Buchfahndung

Veröffentlicht: 1. September 2010 in Uncategorized

Schule ist ja durchaus ein wirtschaftlich nicht zu verachtender Faktor. Jährlich kaufen Millionen von Schülern Hefte, Stifte, Schulranzen, Brotdosen, Kalender und Bücher. Jetzt mag man annehmen, dass sowohl die Landesregierung als auch die Buchverlage das Wissen und dementsprechend handeln.

Tun sie natürlich nicht, denn ansonsten würden sie nicht auf die Idee kommen ein Buch in den Lehrplan aufzunehmen das nur von einem einzigen Verlag hergestellt wird. Ein Buch das wir morgen brauchen aber sowohl bei uns in Bonn in drei Bücherläden und bei Amazon komplett ausverkauft ist. Auf unbestimmte Zeit wohlgemerkt. Wenns wen interessiert, es geht um Wolfgang Koeppen, Tauben im Gras.

Gut morgen habe ich eine Doppelstunde Deutsch und über die Hälfte des Kurses wird das Buch nicht haben und in absehbarer Zeit auch nicht bekommen. Selbst wenn sie wollten 😉 . Mir tun die Leute ja leid die Abitur in Deutsch schreiben und das ganze auch noch wirklich können müssen denn die Zeit die wir noch haben bis dahin ist knapp und so unnötige Verzögerungen sind sicher alles andere als optimal!